Warum Kinder große Tore brauchen

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Grosses Tor MY FOOTBALL

Wenn ich aktuell die Trainingsplätze deutscher Fußballvereine besuche, habe ich den Eindruck, dass die großen Tore mehr und mehr an Bedeutung verlieren. Minitore, kleinen Hütchen- und Stangentore dominieren das Geschehen – sowohl bei Übungen als auch bei Fußballspielen. An sich ist dagegen nichts einzuwenden. Wenn Spielfelder, Teamgrößen und Entfernungen klein gehalten werden, sind Spielspaß, viele Ballkontakte und Erfolgserlebnisse garantiert. Es ist das, was wir Trainer wollen – kleine Tore für kleine Kinder, am besten ein Funino mit vier Toren pro Spielfeld, um frühzeitig Passen und Spielverlagerung zu trainieren. So schön das alles klingt, mich beschleicht das Gefühl, das irgendetwas nicht stimmt, irgendetwas unnatürlich ist. Wir Trainer müssen uns vor Augen halten, dass wir diejenigen sind, die ein Spiel mit kleinen Toren wollen. Wir zwingen unseren Spielern unseren Willen auf. Die Kinder wollen das nicht, und dafür gibt es im wesentlichen drei Gründe.

Kinder wollen schießen

Kinder wollen Tore schießen. Sie wollen den Ball möglichst oft so kraftvoll auf das Tor hämmern, dass das Netz wackelt. Bei Minitoren ist das aber nicht sinnvoll. Fußballspiele auf Minitore fördern automatisch das Passen mit der Innenseite, weil die Spieler auf diese Weise leichter einen Treffer erzielen können. Beim Vollspannstoß hingegen ist die Wahrscheinlichkeit groß, das kleine Ziel zu verfehlen. Hinzu kommt, dass wir Trainer den Torschuss als Schwerpunkt vernachlässigen, wenn wir nur mit Minitoren trainieren. Eine gute Schusstechnik ist jedoch nach wie vor von großer Bedeutung. Dabei können Statistiken durchaus täuschen. Bei Funinospielen beispielsweise ist die Anzahl der erzielten Treffer meistens höher als bei Spielen mit Jugendtoren. Die Anzahl der Tore durch Torschüsse ist aber geringer.

Kinder wollen auf 2 Tore spielen

Alle Kinder wollen auf 2 Tore spielen. Wenn Kinder frei auf der Wiese oder in der Schule kicken, errichten sie 2 Tore. Kein Kind würde auf die Idee kommen, mit 4 Toren zu spielen. Und Kinder bauen sich große Tore. Sie wollen viele Treffer erzielen, und selbst die Kleinsten erkennen schnell, das große Tore leichter zu treffen sind. Außerdem wollen Kinder das große Spiel der Bundesliga und der Nationalmannschaft nachahmen. Dort sind die Tore groß, und es sind genau 2. Das heißt nicht, dass wir im Training nur noch 2 große Tore aufbauen sollten. Es ist sinnvoll und effektiv, immer wieder auf Tore in verschiedene Größen und Formen und in unterschiedlicher Zahl spielen zu lassen. Kinder sind bereit, für eine gewisse Zeit von ihrem Wunschspiel abzuweichen, aber wir sollten sie nicht dauerhaft dazu zwingen.

Kinder wollen Torwart sein

Deutschland ist ein Land der Torhüter. Vielleicht gibt es nirgends auf der Welt so viele gute Torhüter wie bei uns, und viele andere Fußballnationen fragen sich, warum das so ist. Ein Grund liegt auf der Hand: Die meisten unserer Kicker probieren sich gern im Tor aus. Sie lieben es, dem Ball hinterher zu hechten, ihn um Pfosten und über die Latte zu lenken, ihn unter sich zu begraben, in die Hand nehmen und abschlagen zu dürfen. Diesen Spaß, diese große Freude am Torwartspiel sollten wir Trainer ihnen nicht nehmen. In Fußballspielen auf Minitore sind Torhüter verboten, weil Torhüter sie so blockieren, dass keine Tore mehr fallen.

Ich empfehle deshalb, im Training auf eine gute Mischung von kleinen und großen Tore zu achten, damit die Wünsche von Trainern und Kindern gleichermaßen beachtet und Passen und Schießen gleichberechtigt geübt werden.

Im Folgenden findet Ihr drei Spielformen, in denen auf große Tore besonderer Wert gelegt wird.

Viel Spaß beim Ausprobieren wünscht

Thomas Staack

Spiel 1: Beidseitiger Torschuss

Spiel1-MYFOOTBALL

Aufbau
  • 2 große Stangen- oder Hütchentore aufstellen (ca. 4 Meter).
  • Ca. 7 Meter entfernt auf beiden Seiten Linien markieren.
  • 2 Spieler in die Tore, die übrigen hälftig einem Tor zuordnen und die Bälle auf die Linien legen lassen.
Ablauf
  • Die Spieler schießen im Wechsel auf die Stangentore. Erst schießen die Kinder auf der einen, dann diejenigen auf der anderen Seite. Wer trifft, wird sofort neuer Torwart, der Torwart neuer Schütze.
Variationen und Tipps
  • Einen Wettbewerb organisieren: Welcher Torwart hält die meisten Schüsse?
  • Abwechselnd mit links und rechts schießen.

Spiel 2: Torschussrundlauf

Spiel2-MY-FOOTBALL

Aufbau
  • Versetzt gegenüber 2 Jugendtore mit Torhütern aufstellen.
  • Ca. 7 Meter entfernt Linien markieren.
  • Ca. 5 Meter entfernt Starthütchen platzieren.
Ablauf
  • Die Kinder dribbeln und schießen nacheinander vor den Linien auf die Tore. Anschließend stellen sie sich gegenüber in die Reihe.
Variationen und Tipps
  • Einen Wettbewerb organisieren: Wer schießt mit links und rechts die meisten Tore?
  • Nach kurzer Zeit die Torhüter wechseln.

Spiel 3: 4-gegen-4 auf große Tore

Spiel3-MY-FOOTBALL

Aufbau
  • Ein ca. 20 x 15 Meter großes Feld mit 2 Jugendtoren markieren.
  • 2 Teams mit je 5 Spielern einteilen.
  • Bälle an den Seitenlinien bereit legen.
Ablauf
  • Spiel 4 gegen 4 mit Torhütern im Fair-Play-Modus.
  • Bei Seitenaus wird ein neuer Ball ins Spielfeld gedribbelt oder gepasst.
Variationen und Tipps
  • Bei Seitenaus passt der Trainer einen neuen Ball ins Feld.
  • 3 gegen 3.
  • Ersatzbälle verhindern längere Unterbrechungen durch Ballholen.

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